Weekend, 21-23 April 2017 - Georg


Es ist Freitag in Colorado Springs. Die Schule fällt aus, da ,,Teacher Workday'' (nur Lehrer in der Schule) ist, und so hat meine Familie einen dreitägigen Campingausflug in den Rockys geplant.

Day I:


Ich stehe auf. Die Sonne ist dabei aufzugehen. Ich schlüpfe in meine vier Oberteile, vergleichbar mit einer Zwiebelhaut, und befülle einen Wandererrucksack mit letzten Utensilien. Er ist halb so groß wie ich - und das will was heißen.

Wir fahren los, durch Colorado Springs, den Rocky Mountains entgegen. Mit der Zeit werden die Straßen immer kleiner, bis wir irgendwann auf einem ungeteerten Feldweg landen, der in Serpentinen den Berg hinaufführt. Weit und breit sind nur abgebrannte Baumstumpen zu sehen, die aus dem roten Gestein des Bodens ragen.



Als wir einen kleinen Parkplatz erreicht haben, auf dem wir das Auto abstellen, schnallen wir uns unsere Rucksäcke um und beginnen auf einem kleinen Pfad in einem Gebiet zu wandern, das sich ,,Lost Creek Wilderness'' nennt. Die Sonne scheint bei eigentlich angenehmen 20 Grad, was mit einigen Lagen Kleidung und einem schweren Rucksack dann doch ganz schon warm sein kann.

Nachdem wir die abgebrannte Baumlandschaft hinter uns gelassen haben, kommen wir in einen Wald, der ausschließlich aus Kiefern (Pine trees) besteht. Der Pfad führt uns an einem Bergbach (Creek) entlang, bis wir dann nach ca. 1h unser vorläufiges Ziel erreichen: Eine Lichtung nahe dem Bach mit einem Feuerplatz, auf der wir unser Lager für die Nacht aufschlagen werden.




Ich baue gemeinsam mit Richard (mein Gastvater) die beiden Zelte für die Nacht auf, während Jill (Gastmutter) und Richie (mein Austauschpartner) erstes Feuerholz suchen gehen. Da es sonst im Camp nicht viel zu tun gibt schließe ich mich dem Holz-such-Trupp an. Im Wald, dessen Erdboden fast wie leergefegt wirkt, ganz ohne Pflanzen oder abgestorben Bäumen/Ästen, finden wir letztendlich doch einen toten Baum, den Richie und ich mit einer Axt fällen und zu Feuerholz verarbeiten. Damit kehren wir zum Camp zurück, wo es erst einmal Bagels mit Butter, Käse und Coconut-Water (beschtes Getränk) gibt.

Wir entscheiden uns dafür, im Zelt etwas zu karteln. Er zeigt mit ,,Yahtzee'' (ähnlich wie Kniffel), ,,Slapjack'' und ,,Go Fish'', ich zeige ihm Watten. Ich entdecke, dass es auch eine Säge statt einer Axt gibt also gehen wir nochmal Holz holen. Ich habe dann auch die Ehre das Feuer zu entfachen, für das wir später noch ziemlich dankbar sein werden. Das Feuer brennt und die beiden Richards und ich ziehen los, um uns den Bergwald und den Creek genauer anzusehen.




Mitten unter unserer kleinen Wanderung schlägt das Wetter um und es fängt an zu schneien.
Wir kehren zurück und versammeln uns ums Lagerfeuer, wo es dann am späten Nachmittag Enchiladas (Burritos mit Rindfleisch, Gemüse und Reisfüllung) gibt.
Die nächste Zeit wird damit verbracht am Lagerfeuer zu sitzen, uns aufzuwärmen und das Feuer am Leben zu halten.


Die Schneedecke erreicht eine anständige Höhe, so dass es für eine Schneeballschlacht und für Schneemannbauen ausreicht. Es wird dunkel, Zähne geputzt wird mit Schnee. Die übrigen Lebensmittel sowie Zahnpasta sperren wir in ein bärensicheres Fass, da es in dieser Gegend Schwarzbären gibt, und niemand so einen in seinem Zelt haben will.

Als wir uns dann wieder am Feuer aufgewärmt haben, gehen wir in unser Zelt und ich lese noch ein wenig und ich mache mir erste Notizen für diesen Blog.


Day II:

Richie und ich dürfen bis 10 Uhr  ausschlafen und als ich mich dann doch aufraffe meinen Kopf aus dem Zelt zu stecken, sehe ich die Schneedecke, die über Nacht anscheinend kein bißchen geschmolzen ist.





Als wir aufstehen, gehen wir erstmal zum Feuerplatz, an dem bereits ein kleines Feuer brennt. Ich bekomme eine heiße Schokolade in die Hand gedrückt, die mich, nicht wie das Feuer von außen, sondern auch von innen wärmt. Zum Frühstück gibt es Bacon-Ei-Burritos. Es ist immer noch kalt, obwohl die Sonne scheint, was uns aber nicht von einer Schneeballschlacht abhält. Anscheinend gibt es das Aprilwetter nicht nur in Deutschland, denn es beginnt nach einiger Zeit erneut zu Schneien.

Trotz alledem packen wir einen kleinen Rucksack und beginnen Richtung einer ,,Arch'' (eine Bogenwölbung, Art Höhle) die am Gipfel eines Berges liegt, zu wandern. Es schneit und davon nicht zu wenig. Die Wanderung gestaltet sich anstrengender als gedacht, auch wegen der Höhenluft. Nach ca. 1h im Schneegestöber erreichen wir den höchsten Punkt, der fast ausschließlich aus riesigen, runden, roten Gesteinsbrocken besteht.





Wir sind unschlüssig was wir tun sollen, als plötzlich das schlechte Wetter verschwindet, der Himmel blau wird und die Sonne zu scheinen beginnt. Typisch April halt.

Es ist Mittagszeit, wir machen es uns auf dem Gipfel gemütlich, trinken Mountain Dew (so wie Sprite mit Koffein und süßer), essen Butterbagels mit Käse, Wurst und Beef-jerky (Trockenfleisch) und genießen den fantastischen Ausblick. Den Rückweg treten wir im Sonnenschein an, da fällt es gleich viel leichter zu wandern.








Zurück im Camp wird Kartengespielt und das Feuer angezündet – Campingalltag. Zur Dämmerung schnitzen Richie und ich uns Spieße, um Hotdogwürschtel zu grillen. Dazu gibt es Grillgemüse.
Wir lassen den Tag am Feuer ausklingen, und beobachten den Sternenhimmel, da 2 Tage zuvor Meteoroidenschauer vorausgesagt worden sind.

Day III:

Aufwachen, Morgenroutine: Anziehen, aus dem Zelt kriechen, Zähne mit Schnee putzen, heiße Schocki genießen. Wir entscheiden uns gegen Frühstück und bauen stattdessen die Zelte ab und packen den Rest in unsere Rucksäcke. Wir treten den Rückweg an, aus dem Bergwald hinaus zur Gegend mit den abgebrannten Bäumen bis hin zum Parkplatz.


Eine kleine Brotzeit aus Butterbagel, Käse, Pistazien und Coconut-water am Auto rundet unseren Ausflug ab. Ich schlüpfe in frische Klamotten und die das Auto setzt sich langsam in Bewegung für unsere Heimreise.

Georg